Donnerstag, 24. September 2026

Tag 11: Pula bis Mošćenička Draga

Pula bis Mošćenička Draga:

Mein Wecker läutete um 6 Uhr. Damit hab ich Zeit genug fürs Frühstück, kann ein bissl trödeln und starte trotzdem zu einer guten Zeit. Zuerst machte ich mich fertig, packte alles ein und rumpelte das vollbeladene Rad über die Stufen runter. Im Hinterhof kann nichts passieren. Die Vermieterin wohnt im gleichen Haus, hat ihr Auto im Hof stehen. Und mein beladenes Rad stellte ich hinter ihr Auto. Dann setzte ich mich zum Frühstück, das ich am Abend eingekauft hatte. Kaffee wieder aus der italienischen Espressomaschine. Der Wetterbericht meldete für heute eine dichte Wolkendecke bei einer Temperatur bis 20 Grad. Mein Thermometer zeigte 14 Grad an. Vor der Abfahrt trug ich noch 1 1/2 cm Sonnencreme auf, was natürlich ein Blödsinn war. Aber ich glaubte der Wolkendecke nicht und erwartete Sonne. Um 7 Uhr 51 fuhr ich los. Runter und links und ich war schon auf meiner Route.

Nach einem kurzen Abschnitt nahe der Küste fuhr ich ins Hinterland. An der Südostküste der istrischen Halbinsel gibt's nichts in Ufernähe. Daher fuhr ich zuerst auf der 5200 und bald auf der D 66, die bis zu meinem Etappenziel meine Devise blieb. Nur war dieser Einstieg in die D 66 ziemlich tückisch. Ich denk mir nichts und fahr auf der 5200. Auf einmal seh ich ein blaues Schild "Schnellstraße". Die 5200 soll eine Schnellstraße sein? Das gibt's ja nicht. Ich studier die Zusatzschilder. Kein Hinweis auf ein Fahrradverbot. Traktor war verboten, Fußgänger verboten, Mofas verboten. Das war eindeutig ein Mofa und kein Fahrrad auf dem Verbotsschild. Also darf ich und fuhr weiter. 2 km später stehen auf einmal grüne Schilder am Straßenrand, und die Fahrbahn teilt sich. Autobahnschilder links und rechts. Ähm wie meinen? Bin ich jetzt auf der Autobahn? Wurde aus einer Landstraße eine Schnellstraße und gleich danach eine Autobahn? Wie gut, dass die erste Abfahrt von der Autobahn nicht weit entfernt war. Und diese Abfahrt führte mich auf die D 66, die nun mein Leitfaden wurde.




Diese Gegend ist anscheinend hügelig. Mein erster Anstieg war der Barban-Berg. Moderat bis deutlich bergauf, steil bergab. Hier fuhr ich sogar zwei Kehren! Zur Zeit komme ich mir wie bei einer Bergradtour vor.



Es blieb nicht bei diesem einen Anstieg. Der nächste war der Labin-Berg. Zäher als der Berban-Berg und ich machte auch mehr Höhenmeter.


Jedes Bergauf hat ein herrliches Bergab. Aber wie konnte es anders sein. Es ging nach dem herrlichen Bergab schon wieder bergauf. Bergauf auf den Kvarner-Berg. Polizeisperre in Stepčići. Nein, ich muss da rauf. Ich muss nach Mošćenička Draga. Und das geht nur so. Also ließ mich der Polizist durch und meinte, ich soll mich immer ganz rechts halten. Hier findet ein Radrennen statt. Demnächst. 





Was für ein herrlicher Blick auf die Kvarner Bucht. An der Aussichtsplattforn bei Zagorje musste ich leider schon wieder mit Polizisten diskutieren, dass ich weiterfahren darf. Von nun an ging's bergab. Aber wie! Bis ... ja, bis mich bei der Abzweigung nach Brestova die nächste Polizeisperre abfing. Diesmal hatte ich keine Chance mehr. Weg von der Straße, hier ist Schluss. Ich war nicht die einzige, andere Radfahrer und Motorradfahrer standen ebenfalls auf dem Parkplatz zusammen mit 15 Polizisten. Ich packte meinen Proviant aus. Ich hatte noch gar nicht zu Mittag gegessen. Nach ungefähr einer halben Stunde wurde es auf einmal turbulent. Ein Motorrad nach dem anderen fuhr mit Sirene und Blaulicht hinauf. Ich dachte schon, es ginge um ein Motorradrennen und nicht um ein Radrennen. Einige Streifenautos mischten sich drunter. Und dann war es endlich so weit. Die ersten Rennfahrer waren in Sicht. Die Polizisten feuerten die Rennfahrer an. Gibt's denn so was? Und alle anderen in der Straßensperre natürlich auch. Ich weiß gar nicht, was es für ein Rennen war. Die Tour de France war es nicht :-) Aber fotografieren musste ich natürlich auch.




Nachdem auch der letzte Rennfahrer vorbeigefahren war, konnte ich meine Talfahrt fortsetzen. Ich war auch bald wieder direkt am Meer mit einem wunderschönen Ausblick auf die Küstenlandschaft bzw. das Küstengebirge. Für mich war es eine Bergabfahrt. Die Küste ist nicht flach, so dass auch die Straße entlang der Küste nicht eben ist.



Um 15 Uhr 07 erreichte ich Mošćenička Draga, ein paar Minuten später mein Apartment. Mein Apartment ist riesengroß. Mein Rad steht im Vorzimmer. Ich war schon im Ort zum Einkaufen und Abendessen.

Mošćenička Draga ist ein typischer Touristenort mit einem schönen Strand. Ein Lokal neben dem anderen, ein Campingplatz, und alles sprach deutsch, als ich zu Abend essen war. Größtenteils mit österreichischem bzw. wienerischen Einschlag. Ich kam auch mit zwei Wienern ins Gespräch und setzte mich zu ihnen. Immer wenn ich von meiner Radtour erzähle, blicke ich in riesengroße Augen. Mir glaubt das schon wieder keiner, dass man in Wien losfahren kann und nun schon an der kroatischen Mittelmeerküste unterwegs ist. Nett war der Abend trotzdem.






Mittagessen: Käseweckerl und Banane bei der Straßensperre.
Übernachtung: Apartman Vera - Zimmer riesengroß, sauber und gut. WLAN funktioniert so gut wie gar nicht. Preis für eine so große Ferienwohnung in Ordnung.
Abendessen: gut. Gegessen hab ich Melone mit Rohschinken, danach einen Schokokuchen mit einer Kugel Vanilleeis in einer Pizzeria direkt am Strand.
 
Gesamtstrecke 84,40 km
Zeit in Bewegung 5 h 55'
Gesamtzeit 7 h 39'
Temperatur in der Früh 14 °C, tagsüber bis zu 20 °C
bewölkt den ganzen Tag

Summe aller Steigungen: 929 m
Höhe Pula: 14 m ü NHN
Höhe Mošćenička Draga: 20 m ü NHN

2 Kommentare:

  1. Wieder ein Bericht, der Erinnerungen weckt. INKLUSIVE Fahrradrennen. Hätte jetzt getippt,dass du weiter nach Cres fährst

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    1. Nein, die Inseln mach ich nicht. Aber stimmt schon, von Brestova geht die Fähre rüber nach Cres. Ich bin da schon gewesen.

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