Freitag, 25. September 2026

Tag 12: Mošćenička Draga bis Ledenice

Mošćenička Draga bis Ledenice:

Tagwache war wieder um 6 Uhr. Es wird schon zur Gewohnheit, und es ist eine gute Uhrzeit :-)14 Grad zeigte mein Thermometer. In der Nacht hatte es geregnet. Aber die Wolken waren in der Früh weg, der Himmel war wieder blau, und die Sonne schien. Was will man mehr. Ein Traumtag lag vor mir.

Um 7 Uhr 45 saß ich auf dem Rad. Die Zufahrt runter zum Kreisverkehr und ich war auf meiner Route. Zuerst war ich auf der D 66 unterwegs, ab Rijeka auf der Jadranska Magistrala. Auf der Karte ist sie auch als D 8 gekennzeichnet. Autobahnen oder Schnellstraßen konnte ich heute erfolgreich meiden, verkehrsreich war meine Route heute aber trotzdem. So schön der Blick auf die Küste immer wieder war, so sehr musste ich ständig auf die vorbeirauschenden Autos und LKWs achten. Interessant fand ich auch, dass PKW-Fahrer mit Anhänger (egal ob Anhänger für Gepäck oder Anhänger mit Boot oder Wohnwagenanhänger) selten die Gesamtlänge ihres Fahrzeuges kennen. Sie überholen mit ca. 50 cm bis 1 m Abstand (von 2 m sind fast alle Fahrzeuge weit entfernt) und vergessen auf den Anhänger, der ein paar cm an meinem Lenker vorbeizischt.

Aber irgendwann werde ich mich schon daran gewöhnen. Ich hatte auf jeden Fall Traumwetter und eine herrliche Landschaft.

Und ....




Erinnerungen kamen auf. Hier hab ich meine ersten Tauchgänge nach dem Brevet 1 (am Neufeldersee) gemacht! Genau HIER!


Wer hat eigentlich dieses kroatische Küstengebirge aufgebaut? Das gibt's ja nicht. Kaum fuhr ich ein Stück bergab, ging's schon wieder bergauf. Ich fuhr heute ständig auf und ab und auf und ab. Und das mit 42,5 kg (Fahrrad plus Gepäck). Wenn ich mit meiner Tour fertig bin, schaff ich jeden Alpenpass mit 42,5 kg.





Meine Mittagspause machte ich diesmal bei einer Tankstelle, die Sitzgelegenheiten hatte. Der Nachteil war nur, dass ich geschlagene 10 Minuten warten musste, bis ich wieder in die Jadranska Magistrala einbiegen konnte.



Ich war auch nicht allein unterwegs. Hier trifft man auch andere Radfahrer mit Vollgepäck.

In Novi Vinodolski machte ich meinen Lebensmitteleinkauf. Diesmal musste ich nicht nur für mein Frühstück, sondern auch für mein heutiges Abendessen vorsorgen. Mein Etappenziel war ein kleines Dorf, in dem es NICHTS gab. Das sah ich gleich beim Buchen meiner Unterkunft. Vollbeladen mit Mineralwasser, Orangensaft, Brot, Tomaten, Gurken, Bananen, Käse und Joghurt verteilt auf beide Packtaschen fuhr ich - wie konnte es anders sein - bergauf. Bergauf ins Hinterland. Fast 300 Höhenmeter bescherte mir die Straße! Ich hatte mir vorher 139 Höhenmeter ausgerechnet. Anscheinend hatte ich mich verrechnet. Ich fuhr bunt werdende Bäume und Sträucher entlang, ab und zu hatte ich Blick aufs Meer, von dem ich mich immer weiter entfernte. 3 Kühe am Wegesrand schauten mich ganz groß an. Durch ein kleines Dorf fuhr ich ebenfalls. Mein Dorf heißt Ledenice und ist noch kleiner als das erste kleine Dorf. Ich glaub, das kennt kein Mensch.






Die Ortstafel erreichte ich um 15 Uhr 42. Ein paar Minuten später war ich im Zentrum, und das war wiederum schon fast am Ortsende. Als ich in meine Gasse einbog, dachte ich im ersten Moment, ich hab das Ende der Welt erreicht. Hier bröckelt alles dahin, vor den dahinbröckelnden Hausfassaden liegt Schutt. Hier soll mein Apartment sein?



Den Schlüssel fand ich in der mit Code gesicherten Schlüsselbox beim Eingang zur Schutthalde ... ähm zum Innenhof. Das Haus selbst (das hellgrüne auf dem Bild) war jedoch wie aus einer anderen Welt. Frisch hergerichtet, frisch gestrichen. Und die Einrichtung im Haus alt, aber SEHR gepflegt. Das Badezimmer neu gemacht mit einer Walk-in-Dusche. Für Warmwasser musste ich erst den Boiler anwerfen und eine halbe Stunde warten, bis das Wasser wirklich warm war. WLAN musste ich erst einrichten. Die Vermieterin schickte mir eine Anleitung, wie ich die SIM-Karte in den Router einsetzen und das Internet in Gang setzen muss. WLAN-Passwort hab ich auf der Rückseite des Routers gefunden. Und - ich konnte es kaum glauben - WLAN funktioniert super! In der Küche steht ein Kühlschrank und ein Geschirrspüler. Ich war echt überrascht.

Blick vom Wohnzimmerfenster aus:


Blick vom Küchenfenster aus:


Mein Rad steht im Stiegenhaus. Mein Apartment ist im ersten Stock. Ich bin hier mutterseelenallein. Und nicht nur hier im Haus, sondern irgendwie im ganzen Dorf. Ich war nach der Inbetriebnahme aller technischen Einrichtungen spazieren. Hier gibt es keine Menschen. Hier ist nichts. 2 Katzen waren unterwegs, und ein Hund bellte. Aber ich hab keinen einzigen Menschen hier gesehen. Nachdem ich wieder im Apartment war, hab ich doppelt zugesperrt. Man weiß ja nie. Vielleicht gibt's hier Wölfe? Oder Bären? Der Velebit ist nicht weit. Und da leben Bären, hab ich mir sagen lassen.



Mein Abendessen hatte ich mir in Novi Vinodolski gekauft. Und da ich seit meinem gestrigen Einkauf auch eigenen Kaffee habe, konnte ich auch meiner Kaffeesucht nachgehen. Ich hab 4 Vorratsdosen im Gepäck. 2 verwende ich für meinen Tagesproviant, in einer sind Medikamente und die vierte hatte ich als Reserve eingepackt. Nun ist in der vierten Vorratsdose Kaffee. Ich glaub mein Rad samt Gepäck wiegt mittlerweile keine 42,5 kg mehr, sondern 44 oder 45 kg? Irgendwie wird das immer mehr. Aber NOCH dazah ich alles auf die kroatischen Berge.

Mittagessen: Käseweckerl, Banane und Joghurt bei einer Tankstelle.
Übernachtung: Apartment Gradina View - Top Floor - das Apartment ist riesengroß, sehr sauber und sehr gut gepflegt. WLAN funktioniert super. Preis gehoben.
Abendessen: Brot, Käse, Tomaten, Gurken, Joghurt, Apfeltasche, Kaffee in meiner Unterkunft.
 
Gesamtstrecke 81,54 km
Zeit in Bewegung 6 h 14'
Gesamtzeit 8 h 02'
Temperatur in der Früh 14 °C, tagsüber bis zu 21 °C
Sonne pur den ganzen Tag

Summe aller Steigungen: 1.146 m
Höhe Mošćenička Draga: 20 m ü NHN
Höhe Ledenice: 262 m ü NHN

1 Kommentar:

  1. Wieder genau meine Gegend. In Novi Vindolsky liegt ein Freund begraben. Boris. Bin schon gespannt, wie die Tour weitergeht. Danke für die schönen Eindrücke

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